Knappe Rohstoffe - steigende Preise

Ursachen für die aktuelle Rohstoffknappheit

Ausgangslage

Eine im Februar durchgeführte Umfrage bei den Schweizer Verarbeitern hat ergeben, dass mehr als 60% Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung haben. In einer Anfang März publizierten Umfrage des deutschen Verbandes IK Kunststoffverpackungen geben sogar über 80% der Deutschen Kunststoffverpackungshersteller an, dass ihre Produktion und damit ihre Lieferfähigkeit bereits eingeschränkt sind. Zahlreiche Anlagen der Produzenten sind aus technischen Gründen oder wegen Wartung nicht funktionsfähig oder stehen in der Force Majeure.

Nach mehreren Gesprächen und einem Round Table mit Kunststoff verarbeitenden Betrieben und Rohstofflieferanten am 17.3.2021, stellen wir als Verband folgende Ursachen für die aktuell schlechte Versorgungslage und massiv steigenden Preise fest:

Generell

Es ist ein komplexes globales Problem und betrifft nicht nur Kunststoffe und Additive, sondern unter anderem auch Holz, Stahl, Karton und verschiedene Chemikalien und wird vor allem durch das vorwiegend Pandemie bedingte Konsumverhalten weltweit verursacht. Es kann schwergewichtig in drei Bereichen festgestellt werden.

Verbrauch/Konsum

  • Die Coronapandemie hat zu einem erhöhten Verbrauch an Verpackungs- und Schutzmaterial geführt.
  • Konsumenten sind mehr zu Hause, wo in kleineren Packungsgrössen und als zum Beispiel in der Gastronomie, Hotels oder Betrieben – wo auch in Mehrweggebinden eingekauft wird.
  • Durch Lockdown wird mehr online eingekauft, was mehr Verpackungs- und Füllmaterial benötigt.
  • Geschlossene Restaurants führen zu verstärkter Beschaffung z.B. von Küchengeräten für den Privathaushalt.
  • Schutzkonzepte verlangten nach nie dagewesenen Mengen an Schutzscheiben vor allem aus transparenten Materialien (vorwiegend Plexiglas und Polycarbonat).
  • Stark gestiegener Bedarf an Masken, Schutzanzügen, Handschuhen, Testkits, Teströhrchen, Hygieneartikeln, Spritzen, Entsorgungsbehältern.
  • Chinas Wirtschaft hat stark zugelegt und kauft weltweit verfügbare Rohstoffe zu hohen Preisen ein

Situation der Erzeuger

  • Viele Kunststofferzeuger haben aufgrund massiv höherer Preise in Asien Materialien exportiert.
  • Durch den zusätzlichen höheren Verbrauch (s.o.) wurden die Verarbeiter zusätzlich überrascht.
  • Als Konsequenz konnte weniger Lager, für bevorstehende, gesetzlich vorgeschriebene, Wartungsarbeiten an den Produktionsanlagen (welche dazu abgestellt werden müssen), aufgebaut werden.
  • Die hohe Anzahl Force Majeure Situationen bei den Herstellern hat die Situation zusätzlich, signifikant, verschärft.
  • Die Winterstürme in Texas (Februar 2021) haben durch gefrorene Öl- und Gasleitungen grosse Anlagen mit hohen Kapazitäten stillgelegt. Der Export nach Europa wurde dadurch komplett stillgelegt und wird sich wohl erst in einigen Monaten normalisieren.
  • Der Bau von Produktionsanlagen mit immer grösseren Kapazitäten pro Anlage führt zudem bei einem Unterbruch auch zu entsprechend hohem Ausfall.
  • Durch den stark reduzierten Flugverkehr hat sich die Naphta-Produktion verringert, damit fehlen Vorprodukte zur Kunststoffherstellung.

Logistik und Lieferketten

  • Asien exportiert aktuell vorwiegend nach USA und es bleiben somit keine Frachtkapazitäten für Lieferungen von USA oder Asien nach Europa.
  • Weiter wurden von China viele Container mit Hilfsgütern (Pandemie Schutzmaterialien wie Schutzmasken, Impfstoffe etc.) an Entwicklungsländer geliefert. Da jedoch kein Warenrückverkehr stattfindet, sind die Container nun am falschen Ort.